Lesen Sie hier Rezensionen zu  verschiedenen Ausstellungen
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Leuchtende Palette
Jürgen Kadows »Zeit-Kapseln« im Landratsamt Miltenberg
vom 28.5. - 25.6.2004
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»Interpretieren heißt die Welt arm und leer machen - um eine Schattenwelt der Bedeutungen zu errichten.« Für den Maler Jürgen Kadow bringt es die Schriftstellerin Susan Sontag auf den Punkt. Er wehrt sich gegen das Korsett einer Interpretation und vertraut auch bei seiner Ausstellung »Zeit-Kapseln« im Miltenberger Landratsamt auf die Wirkung selbst. »Jeder Mensch saugt Eindrücke in sich auf, die sich wie Kapseln in ihm auflösen und zu wirken beginnen«, sagt der 49-jährige Künstler aus Klingenberg, dessen farbintensive Werke größtenteils bewusst ohne Titel bleiben.
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Blumen als frühe Motive
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Noch in den 80er Jahren malte Kadow, der an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg studiert hat, fotorealistisch. Auf den damals riesigen Formaten zählten Blumen zu seinen favorisierten Motiven. Aber schon bald nach dem Studium wandte er sich der gegenstandslosen Malerei zu. 15 Jahre lang experimentierte er mit Pflanzenfarben, bis er im vergangenen Jahr auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen die Gestaltungsmöglichkeiten von Ölfarben entdeckte. Eine leuchtende Farbpalette ist seine Klaviatur, das Spielfeld seines Ausdrucks. In Schichten legt der virtuose Farbkomponist die verschiedenen Töne übereinander und trägt sie dann mit einem Schwamm oder nassen Pinsel ab. Zuvor verdeckte Farben werden so wieder sichtbar und die Ränder der Abtragungen wirken wie Zeitreliefs. Die Farbtöne konkurrieren jedoch nicht, sie kommen vielmehr miteinander ins Gespräch. Ein leuchtendes Magenta, ein Ton, der mit Pflanzenfarben nicht realisierbar gewesen wäre, durchleuchtet da das benachbarte Orange.
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Obwohl die meisten der Werke kleinformatig sind, wirken sie durch die großzügig angelegten Farbflächen niemals kleingliedrig. Schwerelos fügen sich ovale oder rechteckige Formen in die Farblandschaften ein und scheinen selbstverständlich nur durch diese zu entstehen. Farbe wird zum Raum, der Zeit und Bewegung in sich vereint.
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Religiöse Themen
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Bei aller Abstraktion verweisen einige der ausgestellten Werke doch deutlich auf die Inspirationsquellen des Künstlers. Der Osterzyklus aus acht Bildern ist 2004 entstanden. Kadow erschafft keine realistischen Szenerien, um die bekannten biblischen Themen darzustellen. Er vertraut auf das Atmosphärische. Hier durchschneidet ein geradliniger Streifen erbarmungslos eine Farbfläche. Der vorgezeichnete Weg ermöglicht somit kein Entrinnen. Die Auseinandersetzung mit religiösen Themen ist für Kadow mit seinem Leben als Künstler eng verbunden. »Ich habe mit schöpferischen Kräften zu tun, da kann man nicht sagen, man glaubt an nichts«, sagt er.
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Auch wenn Kadow dem Betrachter eine eigene Sichtweise seiner Werke zugesteht - in Miltenberg gibt er mit einem fünfminütigen Video Hinweise auf die Eindrücke, die ihn selbst bewegt haben. Kurzatmige Sequenzen zu verschiedenen eingeblendeten Stichwörtern lassen den Besucher an einer Art Brain Storming des Künstlers teilhaben. Zum Stichwort »Handlung« rasen brandaktuelle Bilder über den Monitor: die redenden Münder von Condoleezza Rice und George Bush, die zum Schwur erhobene Hand des Donald Rumsfeld, die winkende Braut des spanischen Kronprinzen oder die segnende Hand des Papstes. Das alles sind wohl »Zeit-Kapseln«, denen nicht nur Jürgen Kadow, sondern wir alle ausgesetzt sind.
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Carolin Neubauer (MAIN-ECHO vom 3. Juni 2004)


Reisen nach Nirgendwo
Jürgen Kadow in der Aschaffenburger Galerie CasArte
vom 9.7. - 1.8.1999

»Fluid« ­ jeder kennt das Wort, und jeder versteht es anders. Es entzieht sich der präzisen Definition. Der Große Brockhaus beschreibt den aus dem Lateinischen kommenden Begriff aus der Geschichte der Naturwissenschaften heraus als den Gegensatz zum Solidum, dem Festen, und bezeichnet es übertragen als »die unwägbare geistige Kraft, die von einer Person, einem Kunstwerk ausströmt«.
»Fluid« ­ für die Ausstellung in der Aschaffenburger Galerie CasArte hat der 1954 in Nürnberg geborene Jürgen Kadow, der nach dem Besuch der Fachhochschule für Grafik-Design, Würzburg, an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg, studierte und heute in Klingenberg lebt, 18 Bilder gemalt, die das Fliegen lehren. Sie nehmen mit auf eine Reise, die nirgendwo anfängt und nirgendwo aufhört. Durch Farben und Formen setzen sie Erinnerungen, Gefühle und Assoziationen frei, welche sich ins Unendliche weiten. Das ist um so aufregender, weil sie nicht festzuhalten sind. Im Augenblick der Erkenntnis entwinden sich diese Bilder dem Bleiben und ziehen vorbei wie die Flüchtigkeit des Augenblicks.

Im Grunde sieht man sie vor und hinter den Augen, diese Bilder, deren Farben von innen nach außen leuchten und in sich eine ganze Palette von Tönen bergen. Dabei sind sie so durchsichtig und federleicht in der Strichführung, daß sie flimmern und flirren und aus sich selbst heraus jene Objekte zu schaffen scheinen, die in ihnen schweben. Leicht hingeworfene Kreise in schlängelnder Bewegung sind es, Himmelsprojektile, die sich diagonal über die Farbflächen ziehen, aus der Tiefe des Nichts kommende Punkte, die wie Augen schauen, und immer wieder leichte Kringel, zierliche Streifen und feine Fäden lassen einen ganzen Kosmos entstehen.

Der Aufbau der Bilder ist dabei keineswegs beliebig, sondern hat eine strenge Ordnung, die sich in Rechtecken und Quadraten äußert, die Farben in Blöcke staffelt, sie mit Linien und Rechtecken unterbricht und horizontale und vertikale Kräfte in Diagonalen verbindet. Dieses Gerüst stattet Jürgen Kadow mit Farben aus, die aus Naturpigmenten bestehen, von hellem Gelb bis zu schwarzem Blau reichen und die sich miteinander mischen, die spielen und korrespondieren, so daß der Eindruck einer in ständiger Bewegung ziehenden Unendlichkeit entsteht. Diese kann sehr kostbaren Charakter annehmen, wenn sie sich aus goldenen Quadraten entwickelt, für die der Künstler feinstes Transfergold benutzt, das so zart ist, daß es auf der Leinwand feine Strukturen bildet und nach außen auf jeden Lufthauch reagiert. Sie fliegt zugleich in den immer wieder auftauchenden Kreisen und zeigt sich selbst in statischen Elementen wie einem mächtig in ein Rund gesetzten perspektivisch konturierten Stein, durch die ihn umgebenden, vorbeiziehenden Dach- oder Zeltgebilde nur temporär verharrend.
»Fluid« ­ die unwägbare geistige Kraft, die einem Kunstwerk entströmt.

Anneliese Euler (MAIN-ECHO vom 9. Juli 1999)


Ausstellung in der ACUNA Praxisklinik in Roth
vom 16.3. - 2.5.2006
Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung
18. März 2006
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www.kadow.de